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Das Theater



Spielort:
Schlierseer Bauerntheater Xaver-Terofal-Platz 1
83727 Schliersee
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Anschrift:
Schlierseer Bauerntheater e.V.
Seestr. 4
83727 Schliersee


Fotos:
Ursula Gloor



Kurzer Prozeß

Aus dem Leben des Wildschützen Georg Jennerwein

Theaterstück in 12 Szenen von Werner Schlierf


Georg Jennerwein

Georg Jennerwein wurde 1848 in Haid bei Holzkirchen als lediges Kind geboren. Später heiratete seine Mutter, Maria Jennerwein, einen gewissen "Geissler" und wurde durch diese Verbindung zur "Gütlerin von Gelting". Sein Stiefbruder Hans ging aus dieser Ehe hervor.

Jennerwein mußte den Frankreichfeldzug 1870/71 mitmachen, zusammen mit seinem Freund, dem Unterschwaigbauern Markus Hofberger aus Westenhofen, der zugleich auch sein Hausherr war. Der "Jennerwein Girgl", wie er allgemein genannt wurde, war Holzarbeiter rund um den Schliersee herum. Er war ein guter Zitherspieler, Gstanzlsänger, Schuhplattler - und vor allem war er ein guter Schütze. Einige seiner Zeitgenossen bezeichneten ihn aber auch als Weiberhelden, Raufbold und Wirtshausbruder, der öfter auf dem Tanzboden anzutreffen war, als bei einer geregelten Arbeit. Jeder wußte, daß Jennerwein ein Wildschütz war, aber beweisen konnte es ihm keiner. Die Mädchen sahen in ihm einen schneidigen und mutigen Burschen, der sich von niemandem unterdrücken ließ. Der Girgl hatte graue Augen und einen verwegen schiefsitzenden Schneidezahn. Der "Hennerer" war seine Stammwirtschaft, aber er besuchte auch gerne alle anderen Wirtschaften in der Schlierseer Gegend. Seine bevorzugten Freundinnen waren die Kellnerin "Rosl", die beim Hennerer bediente, und die Sennerin "Agathe" von der Baumgarten-Alm, die auch die Mutter seiner Tochter Rosl wurde.

Am 6. Nov. 1877 wurde er laut Gerichtsakten von seinem früheren Freund Johann Josef Pföderl auf einer Waldlichtung am Peißenberg erschossen. Seine Leiche fand man erst am 14. November. Die rechte große Zehe steckte im Abzug seines Gewehres und das Unterkiefer war zerschmettert. Ein Teil der Wange mit dem rechten Schnurrbart hing in den Ästen einer Fichte. Eine zusätzliche Schußverletzung befand sich im Rücken, die aber nicht tödlich war. Obwohl Pföderl immer wieder seine Unschuld beteuerte, und Verdachtsmomente auf den Jäger Simon Lechenauer hinwiesen, wurde Pföderl zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, wobei ihm vier Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden. Förster Mayr versetzte ihn in die Valepp, unterhalb des Spitzingsees. Johann Josef Pföderl wurde gemieden, begann zu trinken, und starb nach einem eintägigen Krankenhausaufenthalt am 12. Juli 1889 in Tegernsee.

Durch die mysteriöse Todesursache, Georg Jennerwein betreffend, und vor allem durch die Schußverletzung im Rücken, wurde der "Wildschütz Jennerwein" zu einer Legende, der gegen die Obrigkeit aufgemuckt hatte, und der bis zum heutigen Tag im Volk lebendig blieb. So mysteriös wie sein Tod, so mysteriös ist auch die letzte Ruhestätte des Wildschützen. Das heißt, bis heute weiß man nicht mit Sicherheit zu sagen, an welcher Stelle Georg Jennerwein wirklich begraben liegt. 1890 und 1900 wurde der Westenhofener Friedhof erweitert. Einflussreiche Gemeindemitglieder wollten ihre Angehörigen nicht neben Jennerwein beerdigt wissen.

 Sie versetzten daraufhin kurz entschlossen sein Grabkreuz an einen anderen Platz. Während des 2. Weltkrieges verwilderte Jennerweins Grab. 1947 bezahlte der "Peißl Wastl" die fünf Mark Aufstiftungsgebühr, damit das Grab erhalten blieb. Die Mitglieder des "Schlierachtaler Trachtenvereins" übernahmen die Grabpflege. Als Anderl Hoffmann, der "Schlierachtaler Ehrenvorstand" 1961 starb, beteuerte er auf dem Sterbebett, daß sich in Jennerweins Grab nur der "Hax vom Beischä" befände und sonst nichts. Beim Wildern ertappt, schoß der Jäger Hartl H. dem "Wilderer Beischä" in die rechte Kniekehle. Die Schlagader wurde zerfetzt und das rechte Bein am Schenkel amputiert. Das Bein tauchte nirgends mehr auf.

Um alle diese Dinge auf der Bühne darstellen zu können, und Georg Jennerwein so gut wie möglich objektiv zu zeichnen, benützt der Autor die dramaturgische Rückblende.

Das Stück beginnt 1961, als das Jennerwein-Grab für DM 60.-- aufgestiftet werden mußte. Es wurde eine nichtöffentliche Gemeinderatssitzung einberufen. Die Mehrheit der Gemeinderäte war dagegen, daß das Jennerwein-Grab bleiben sollte. Doch der Gemeinderat und Kaffeehausbesitzer Sepp Sachs setzte es schließlich zusammen mit Pfarrer Josef Wiedholz durch, daß das Grab des "Wildschützen Georg Jennerwein" erhalten blieb. Der Autor Werner Schlierf schrieb dieses Stück im Auftrag des Schlierseer Bauerntheaters:

".....ich schrieb dieses Stück gerne, da es im wahrsten Sinne ein Stück Bayerischer Geschichte ist."

 

Werner Schlierf:

Geboren 1936 in München, aufgewachsen in Giesing. 1960 erschienen seine ersten Beiträge im BR, im "Münchner Stadtanzeiger" und in der "Münchner Palette". 1961 erste Auftritte und Lesungen in der "Katakombe" und in der "Seerose". 1963 erschien sein erstes Buch. 1974 VS Mitgliedschaft, 1975 Turmschreiber, 1989 PEN. 1983 Bayerischer Romanpreis, 1986 Poetentaler. Zahlreiche Buchveröffentlichungen und Uraufführungen. Einige seiner Stücke wurden in die englische, französische, italienische und russische Sprache übersetzt. 1985 erste Off-Broadway-Aufführung in New York in englischer Sprache. 1991 wurden zwei Stücke als Hörspiele in italienischer Sprache im Mailänder Rundfunk gesendet.

Hobbies: Malen, jagen, fischen, Regatten, Bob- und Motorradfahren.

Leider verstarb Werner Schlierf im März 2007.